
Angesichts der anhaltenden globalen Gesundheitskrise machen Fragen und Bedenken hinsichtlich der Zukunft des Datenschutzes die Runde. Mit dem zunehmenden Einsatz von Kontaktverfolgungs-Apps tauchen nun regelmäßig Schlagzeilen wie„Kann man COVID-19 nachverfolgen und gleichzeitig die Privatsphäre schützen?“ auf. Auch wenn die verstärkte Aufmerksamkeit für den Datenschutz wichtig ist, sollten wir uns auf die Grundlagen konzentrieren und bedenken, dass Datenerhebung und Überwachung nichts Neues sind .
Wenn wir in die Zukunft blicken, ist es wichtig, zunächst die jüngste Vergangenheit zu würdigen. Die Grundsätze des Datenschutzes sind nicht neu. Die Diskussionen über den Datenschutz haben auf globaler Ebene in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Das prominenteste Beispiel stammt aus der Zeit vor etwas mehr als zwei Jahren, als die Europäische Union (EU) die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verabschiedete. Dies war ein Wendepunkt – nicht nur für Fachleute aus den Bereichen Datenschutz und Risikomanagement, sondern für Organisationen auf der ganzen Welt. Zwar gibt es in verschiedenen Regionen weltweit Datenschutzvorschriften auf unterschiedlichen Ebenen, doch diese gebündelten Bemühungen haben neu definiert, wie Unternehmen personenbezogene und sensible Daten speichern, verwalten, schützen und nutzen sollten. Die DSGVO trug zudem dazu bei, dass die Weltgemeinschaft die zentrale Rolle von Daten in der digitalen Wirtschaft anerkannte.
Nun, im Jahr 2020,„regnet es Datenschutzgesetze“, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Von Washington bis Florida erkennen die Landesparlamente, dass Maßnahmen zum Schutz der Bürger ergriffen werden müssen. Kurz nach dem zweijährigen Jubiläum der DSGVO wurde im Senat der Vereinigten Staaten ein Gesetzentwurf (Data Accountability and Transparency Act of 2020) eingebracht, der der USA einen Schutz ähnlich der DSGVO bringen würde. Dies ist nur einer von vielen Gesetzentwürfen, geht jedoch noch einen Schritt weiter, indem er Datenverantwortliche zur Rechenschaft zieht, unsere Daten zu schützen. Die Entwicklung ist positiv, doch es muss noch viel mehr getan werden.
Inmitten einer globalen Gesundheitskrise ist das Thema Datenschutz wieder in den Fokus der Medien gerückt. Vor dem Hintergrund der DSGVO versuchen die Regierungen jedoch, die Menge der Daten, die von Kontaktverfolgungs-Apps an lokale Behörden übermittelt werden, zu begrenzen .
Wird diese Gesundheitskrise unsere Sichtweise auf den Datenschutz verändern? Das ist unwahrscheinlich.
Solange nichts Konkretes passiert, ist der Datenschutz ein Thema im Hintergrund, über das viele Bürger im Alltag nicht aktiv nachdenken. Verbraucher sind bereits darauf programmiert, personenbezogene Daten im Austausch für etwas, das sie sich wünschen, preiszugeben. Der gleiche Kompromiss gilt auch heute: Aktiviere ich eine Kontaktverfolgungs-App, um sicher zu sein, oder vermeide ich sie, um meine Privatsphäre zu wahren? In einigen Teilen der Welt ist das Herunterladen dieser Apps verpflichtend. In Ländern wie Island lag die freiwillige Nutzung bei über 40 Prozent.
Für diejenigen, die wie ich im Gesundheitswesen tätig sind, ist das Thema Datenschutz und Datensicherheit kein vorübergehendes Phänomen oder eine flüchtige Angelegenheit – es ist Teil unserer täglichen Arbeit. Es gibt Vorschriften, die unser Handeln regeln und unsere Geschäftsabläufe bestimmen. Allerdings nehmen Unternehmen ihren Betrieb wieder auf und müssen möglicherweise damit beginnen, sensible Gesundheitsdaten von Mitarbeitern und Kunden zu erheben. Für viele ist dies wahrscheinlich das erste Mal, dass sie vor der Herausforderung stehen, diese Art von Daten zu schützen. Welche Schritte sollten sie unternehmen, um dem Datenschutz Priorität einzuräumen?
- Gehen Sie es langsam an. Auch wenn dies dem Mantra der modernen Geschäftswelt widerspricht: Wenn es um den Datenschutz geht, sollten Sie es gleich beim ersten Mal richtig machen. Ein Datenleck bei Gesundheitsdaten könnte katastrophale Folgen haben, beispielsweise einen Reputationsschaden. Achten Sie sorgfältig darauf, wie Sie diese Daten verwalten und schützen, um langfristig eine höhere Effizienz zu erzielen.
- Verlassen Sie sich auf Ihre Kollegen. Viele Akteure im Gesundheits- und Finanzdienstleistungssektor beschäftigen sich bereits seit Jahren mit der Herausforderung, personenbezogene Daten (PII) zu schützen. Wir kennen bewährte Vorgehensweisen und wissen, welchen Anbietern wir vertrauen können. Machen Sie keine Annahmen aufgrund von Werbesendungen in Ihrem Posteingang oder der Versprechen in Internet-Anzeigen. Nutzen Sie die Ressourcen unabhängiger Organisationen sowie die Erfahrungen Ihrer Kollegen, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben.
- Legen Sie verstärktes Augenmerk auf Risiken durch Dritte. Unabhängig davon, ob ein externer Anbieter Teile Ihres Datenschutzprogramms umsetzt oder lediglich Zugriff auf Ihr Netzwerk hat, sollten Sie ihn sorgfältig überwachen. Führen Sie im Vorfeld die erforderlichen Bewertungen durch und richten Sie entsprechende Steuerungsmechanismen ein, um sicherzustellen, dass Anbieter nur Zugriff auf die Systeme und Informationen haben, die sie für ihre spezifischen Aufgaben benötigen.
- Beschränken Sie den Umfang der weitergegebenen Daten. Wenn Sie in einer Situation sind, in der Daten funktionsübergreifend oder außerhalb des Unternehmens weitergegeben werden müssen, beschränken Sie den Umfang der weitergegebenen Daten und stellen Sie sicher, dass es sich um das erforderliche Minimum handelt. Es ist unerlässlich, dass Sie wissen, welche Daten in der Informationskette weitergegeben werden und an wen.
In vielerlei Hinsicht steckt die Debatte über den Datenschutz noch in den Kinderschuhen – insbesondere in den Vereinigten Staaten. Meiner Ansicht nach handelt es sich dabei nicht um eine Schwarz-Weiß-Diskussion. Das Thema ist komplex und subjektiv. Deshalb plädiere ich dafür, das zu tun, was richtig ist, anstatt das, was getan werden muss.
Daten haben einen Wert. Sie sind nicht nur eine Ansammlung von Zahlen oder Informationen, sondern stammen von Menschen. Damit geht eine enorme Verantwortung einher. Ganz gleich, ob Sie im Bereich Compliance, im Risikomanagement oder in der Informationssicherheit tätig sind – vergessen Sie nicht, dass Ihre Handlungen Konsequenzen haben, die über die Grenzen des Unternehmens hinausreichen. Es reicht nicht aus, sich nur um Ihre Aktionäre zu kümmern. Denken Sie daran, dass Ihre Stakeholder (Kunden, Partner, Mitarbeiter) von den Entscheidungen betroffen sind, die Sie im Zusammenhang mit der Sicherung und Verwaltung von Daten treffen.
Kevin Haynes ist Datenschutzbeauftragter bei Nemours Children’s Health System.
Sehen Sie sich sein aktuelles Gespräch mit „Security & Compliance Weekly“ darüber, wie Nemours Archer zur Steuerung von Compliance-Risiken einsetzt










